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03.05.2013

Deutsche Qualitätskultur als Exportschlager

Debatte über die Zukunft von Qualität „made in Germany“

Entscheider diskutierten auf der Hannover Messe mit Gastgeber DGQ über die Zukunft von Qualität "made in Germany".

Sorgten für eine inhaltsreiche Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Professor Dr. Eike Böhm, Daimler AG und DGQ-Vorstandsmitglied, Dr. Frank Brode, Harting Technologiegruppe, Professor Ulrich Weinberg, Hasso-Plattner-Institut, Ulrich Schrickel, Robert Bosch GmbH, und Professor Dr. Rolf-Jürgen Ahlers, ProxiVision GmbH und DGQ-Vizepräsident, mit Moderatorin Maria Sheahan

Sorgten für eine inhaltsreiche Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Professor Dr. Eike Böhm, Daimler AG und DGQ-Vorstandsmitglied, Dr. Frank Brode, Harting Technologiegruppe, Professor Ulrich Weinberg, Hasso-Plattner-Institut, Ulrich Schrickel, Robert Bosch GmbH, und Professor Dr. Rolf-Jürgen Ahlers, ProxiVision GmbH und DGQ-Vizepräsident, mit Moderatorin Maria Sheahan

Qualität „made in Germany“ wird auch in 20 Jahren noch ein Erfolgsfaktor für die deutsche Wirtschaft sein, aber mit einer anderen Ausrichtung als heute. Zu diesem Ergebnis kamen Vertreter von Robert Bosch, Daimler, Harting, dem Hasso-Plattner-Institut und ProxiVision während einer Debatte über die Zukunftsfähigkeit von „Made in Germany“ am 8. April 2013 auf der Hannover Messe. Danach hat deutsche Qualität in globalen Märkten und Produktionszusammenhängen vor allem dann eine Zukunft, wenn sich Unternehmen und Politik auf wesentliche strategische Fragen konzentrieren. Wie groß der Anteil an Produktion in Deutschland sein muss, um ein Produkt als „made in Germany“ verkaufen zu können, war aus Sicht der Diskussionsteilnehmer von untergeordneter Bedeutung. Stattdessen gehe es darum, die spezifisch deutsche Qualitätskultur hinter „Made in Germany“ erfolgreich auf die weltweiten Produktionsketten deutscher Unternehmen zu übertragen. Die Schlagworte der diesjährigen Hannover Messe, „Produktion 4.0“ und „Integrated Industry“, gaben dabei die Richtung vor.

Das aktuelle Thema zog 160 interessierte Zuhörer an.

Das aktuelle Thema zog 160 interessierte Zuhörer an.

Mit der Diskussion in Hannover hat die DGQ die nächste Stufe ihrer Initiative „Qualitätsleitbild für Deutschland“ eingeleitet. Deren Ziel ist es, den Diskurs über Qualität anzuregen und die Ergebnisse bis Ende 2014 in einem Qualitätsleitbild zu verdichten. Vor rund 160 Zuhörern traf unter der Moderation von Maria Sheahan, Senior Editor Reuters News, eine Expertenrunde zusammen, die die entscheidenden Faktoren herausarbeitete, mit denen Qualität „made in Germany“ in immer komplexeren, global vernetzten Hightech-Umfeldern künftig punkten kann.

Vom Geist des „Made in Germany“ geprägt

Nach Professor Dr. Eike Böhm (l.) baut Daimler eher auf ein „Quality made by Mercedes“, während sich Dr. Frank Brode von der Harting Technologiegruppe für mehr Intelligenz im Entwicklungsprozess im Geist von „Made in Germany“ stark machte.

Nach Professor Dr. Eike Böhm (l.) baut Daimler eher auf ein „Quality made by Mercedes“, während sich Dr. Frank Brode von der Harting Technologiegruppe für mehr Intelligenz im Entwicklungsprozess im Geist von „Made in Germany“ stark machte.

So betonte Professor Dr. Eike Böhm, Leiter Qualitätsmanagement Mercedes-Benz Cars der Daimler AG, dass ein globales Unternehmen wie Mercedes-Benz eher auf ein „Quality made by Mercedes“ baue – mit einem einheitlichen Qualitätsstandard in allen Fertigungsstätten – und weniger auf ein „Made in Germany“. Allerdings seien Unternehmen und Marke eingebettet in einen historischen, kulturellen Kontext in Deutschland und vom Geist des „Made in Germany“ geprägt. Diese Prägung sei auch künftig essenziell für das Unternehmen. Zudem sei es angesichts immer umfassenderer Qualitätsanforderungen der Kunden weltweit erfolgskritisch, Qualität ganzheitlich zu betrachten – nach Kriterien wie Konzept, Look & Feel, Haltbarkeit sowie Sales & Service – und die Anpassungsfähigkeit an persönliche und regional unterschiedliche Kundenbedürfnisse zu erhöhen.

Bosch-Qualitätsmanager Ulrich Schrickel (l.) glaubt an ein künftiges „Engineered in Germany“, Professor Dr. Rolf-Jürgen Ahlers setzt auf eine hochgradige interdisziplinäre und kollaborative Arbeit an einem „Made in Germany“.

Bosch-Qualitätsmanager Ulrich Schrickel (l.) glaubt an ein künftiges „Engineered in Germany“, Professor Dr. Rolf-Jürgen Ahlers setzt auf eine hochgradige interdisziplinäre und kollaborative Arbeit an einem „Made in Germany“.

Ulrich Schrickel, Leiter Qualitätsmanagement der Robert Bosch GmbH, glaubt an die Zukunftsfähigkeit von „Made in Germany“ im Sinne eines „Engineered in Germany“. Es sei wichtig, Kernprozesse wie die Entwicklung im Land zu halten. Die größte Herausforderung angesichts des internationalen Wettbewerbsdrucks liege darin, die Experimentierfreudigkeit und das Innovationstempo der Deutschen zu erhöhen. Qualitätsmanagementsysteme und -prozesse müssten grundlegend verändert werden, damit Deutschland in Sachen Innovationstempo und Timeto Market mithalten könne. Dabei sei es wichtig, das Thema Qualität als Managementpriorität im Unternehmen zu verankern.

Dr. Frank Brode, Vorstand Qualität & Neue Technologien der Harting Technologiegruppe,meinte, Deutschland müsse intensiver daran arbeiten, Standards zu setzen und zu definieren. Innovation in der Integrated Industry brauche mehr Intelligenz im Entwicklungs- und Produktionsprozess. Unternehmen müssten sich von Produktentwicklern hin zu Systemanbietern für intelligente Lösungen entwickeln.

Professor Dr. Rolf-Jürgen Ahlers, geschäftsführender Gesellschafter der ProxiVision GmbH und DGQ-Vizepräsident, glaubt an einen Paradigmenwechsel in Sachen Qualität. So würden Sicherheitsaspekte in den Vordergrund rücken und die vom Kunden tatsächlich wahrgenommene Qualität eine entscheidende Rolle spielen. Qualität „made in Germany“ werde sich weiterhin behaupten, aber das Manufacturing werde auswandern. Es sei wichtig, von der Entwicklung bis zur Produktion hochgradig interdisziplinär und kollaborativ zu arbeiten.

Bildung, Forschung, Wertschöpfungsketten

Prof. Ulrich Weinberg plädierte gegenüber Moderatorin Maria Sheahan für ein Umdenken beim Herangehen an Innovationsprozesse.

Prof. Ulrich Weinberg plädierte gegenüber Moderatorin Maria Sheahan für ein Umdenken beim Herangehen an Innovationsprozesse.

Professor Ulrich Weinberg, Leiter der School of Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut, illustrierte, welches Potenzial Deutschland hat, wenn mehr interdisziplinäre Ansätze und vernetztes Denken bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen zum Tragen kommen. Er plädierte für ein fundamentales Umdenken beim Herangehen an Innovations- und Entwicklungsprozesse. Bildung, Forschung und Wirtschaft müssten früher und effektiver zusammengeführt werden. Zudem gelte es, das deutsche Bildungssystem zu erneuern und in Aus- und Fortbildungskonzepte zu investieren, die das vernetzte Denken fördern.

Für DGQ-Präsident Dr. Jürgen Varwig, der die Podiumsdiskussion eröffnete und zusammenfasste, bekommt das Qualitätsmanagement in einer „Integrated Industry“ die Bedeutung von „Integrated Quality Management“.

Für DGQ-Präsident Dr. Jürgen Varwig, der die Podiumsdiskussion eröffnete und zusammenfasste, bekommt das Qualitätsmanagement in einer „Integrated Industry“ die Bedeutung von „Integrated Quality Management“.

Für DGQ-Präsident Dr. Jürgen Varwig bekommt Qualitätsmanagement in der „Integrated Industry“ die Bedeutung von „Integrated Quality Management“: „Es steuert immer komplexere Prozesse und hat angesichts der rasanten unternehmensübergreifenden Vernetzung der Wertschöpfungsketten eine größere strategische Bedeutung.“ ‚Made in Germany‘ müsse künftig vor allem dafür stehen, dass in global tätigen Unternehmen und Produktionszusammenhängen die Gesamtverantwortung für die Wertschöpfungs- und Produktionsketten von deutschem Qualitätsdenken geprägt ist. Das erfordere den Transfer von Know-how und Standards sowie die Ausbildung von Fachkräften in weniger entwickelten Ländern und Regionen. „Die deutsche Wirtschaft wird erheblich profitieren, wenn es gelingt, unser Qualitätsverständnis zu erweitern und unsere traditionellen Tugenden mit denen des 21. Jahrhunderts zu verbinden: Geschwindigkeit, Vernetzung, Kommunikationsfähigkeit und interkulturelle Kompetenz“, so Varwig weiter. So werde die Grundlage dafür geschaffen, dass die wesentlichen Teile der Wertschöpfung im Land bleiben, aus denen dann wettbewerbsfähige Innovationen auf deutschem Qualitätsniveau entstehen: ein zukunfts- und wettbewerbsfähiges „Made in Germany“.

Auf der Website www.qualitaetsleitbild.de lädt die DGQ Gesellschaft, Unternehmen und Politik dazu ein, über die Perspektiven von Qualität als Erfolgsfaktor der deutschen Wirtschaft im internationalen Wettbewerb zu diskutieren. Die Initiative Qualitätsleitbild für Deutschland wird vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln wissenschaftlich begleitet und wurde 2012 als „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“ ausgezeichnet.

Unternehmensinformation

DGQ Deutsche Gesellschaft für Qualität

August-Schanz-Str. 21a
DE 60433 Frankfurt
Tel.: 069 95424-0
Fax: 069 95424-133

Internet:www.dgq.de
E-Mail: info <AT> dgq.de



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