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08.05.2013

Der Gelenkarm: Messtechnische Lösungen für machbare Produkte

Interview

Wenn es darum geht, Qualität zu quantifizieren, rückt die Messtechnik in den Fokus. Da die Anforderungen an Qualität ständig steigen, wird die Messtechnik zu einem immer bedeutenderen Instrument bei ihrer Sicherung. Es kommt darauf an, sowohl die Genauigkeit als auch Messunsicherheiten richtig festzustellen. Die Redaktion sprach mit den beiden DGQ-Trainern Hermann Schulz und Steffen Kappes über aktuelle Aufgabenstellungen in der Produktion und mögliche messtechnischen Lösungen.

Angewandte Messtechnik setzt qualifizierte Mitarbeiter voraus

QZ Herr Schulz, was sind Ihrer Ansicht nach momentan die größten Herausforderungen an die Produktion?

Schulz Das ist zunächst die Machbarkeit der Produkte hinsichtlich Toleranzforderungen, Fähigkeitsforderungen sowie der Umsetzung und Einhaltung von Zeichnungseintragungen. Bezogen auf die Messbarkeit der Qualitätssicherungsmerkmale, setzt das qualifizierte Mitarbeiter voraus. Denn diese müssen zum Beispiel Zeichnungseintragungen mit einem aktuellen Normenhinweis interpretieren und die funktionswichtigen Merkmale prüfen können.

QZ Was empfehlen Sie den Unternehmen, um diesen Herausforderungen zu begegnen?

Schulz Die Unternehmen sollten Qualitätsmanagement als Coaching-Werkzeug verstehen und Technologieberater einsetzen, um Prozessstörungen als Verbesserungspotenzial zu erkennen. Nicht das Handbuch und die Prozessbeschreibungen oder Arbeitsanweisungen sollten im Vordergrund stehen, sondern die Unterstützung der Mitarbeiter im täglichen Produktionsprozess. In diesem Zusammenhang sollte unbedingt die Bedeutung der Prüfmittelfähigkeit hervorgehoben werden, nämlich dass es auf beherrschbare Fähigkeitsanalysen ankommt. Alles in allem sollten die Mitarbeiter ein breites Wissensmanagement aufbauen und dieses gemeinsam mit Kunden und Lieferanten entwickeln.

QZ Welchen Mehrwert kann eine kontinuierliche Überprüfung von Merkmalen innerhalb des Produktionsprozesses liefern?

Schulz Bessere Prozessabläufe haben zur Folge, dass ein Optimum an Qualität und Quantität gewonnen wird. Diese optimierten Prozessfähigkeiten bringen einen Mehrwert durch geringere Sortier- oder Ausschussanteile. Kontinuierlich laufende Prozesse haben zur Folge, dass Prüftätigkeiten reduziert und Wareneingangsprüfungen auf ein Minimum herabgesetzt werden können.

QZ Herr Kappes, Messaufgaben in der Produktion werden immer anspruchsvoller. Insofern entwickeln sich auch die Messgeräte immer weiter. Wird weiterhin taktil gemessen?

Kappes Ich bin davon überzeugt, dass die taktile Messung nicht zu ersetzen ist. Optische Systeme werden zwar immer ausgereifter. Sie haben jedoch auch ihre Nachteile, da sie nicht in der Lage sind, alle zu messenden Bereiche am Bauteil zu erreichen. Aber insgesamt kann auf die taktile Messung nicht verzichtet werden.

Das Messsystem muss zum Bauteil kommen, nicht umgekehrt

QZ Welche Vorteile bieten die taktilen Messgeräte einem Unternehmen?

Kappes Im Moment ist da noch der Aspekt einer höheren Genauigkeit, denn es können alle Bereiche an einem Bauteil gemessen werden. So entstehen keine Fehler durch Streupunkte oder doppelt gescannte Flächen. Und damit erhält der Anwender über eindeutig getastete Punkte ein genaues Ergebnis.

QZ Speziell der Gelenkarm ist vielfältig für die taktile Messung einsetzbar. Was zeichnet ihn aus?

Kappes Zunächst einmal ist er natürlich sehr flexibel, da Bauteile direkt vor Ort gemessen werden können. Dabei muss das Bauteil nicht zum Messsystem, sondern das Messsystem zum Bauteil gehen. Grundsätzlich eignet sich das Messsystem sehr gut für Dienstleistungen, da es sich um ein mobiles Gerät handelt. Somit ist der Gelenkarm aus der Vorrichtungsvermessung nicht mehr wegzudenken.

QZ Herr Schulz, der Gelenkarm hat jedoch nicht nur Vorteile. Welche Schwächen sehen Sie?

Schulz Das können generell Messunsicherheitsbetrachtungen sein. Sie treten ein, wenn die Anwendersoftware nicht auf die neuen Normforderungen ausgerichtet ist. Darüber hinaus können Mitarbeiter von Handlingproblemen betroffen sein, wenn der Bewegungsablauf eingeschränkt ist.

Der Gelenkarm ist durch nichts zu ersetzen

QZ Warum spielt die Messunsicherheit mittlerweile eine so große Rolle?

Schulz In der Vergangenheit konnten die Forderungen der Eintragungen aus Zeichnungen produktionstechnisch größtenteils nicht eingehalten werden. Aktuelle Fähigkeitskennwerte bestätigen das. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass die Meterdefinition ja auch nicht auf 1000 Meter festgelegt ist, sondern dass auch hier mit einer Unsicherheit gerechnet wird. Diese Erkenntnis auf die Messgeräte zu übertragen, bedeutet, dass wir mit der Technikforderung aus Zeichnungseintragungen und Standardmessgeräten im Produktionsablauf oft überfordert sind. So verbieten aktuelle Forderungen hinsichtlich der Positionstoleranz den Einsatz von Standardmessgeräten. Ferner bedingen Zeichnungseintragungen im ±  µm-Bereich, dass Messgeräte mit einer Messunsicherheit von ±  1µm keine Ergebnisse mit der entsprechenden Genauigkeit liefern. Von Umwelt- und Temperatureinflüssen einmal ganz abgesehen.

QZ Herr Kappes, kann der Gelenkarm den aktuellen Herausforderungen in der Produktion begegnen?

Kappes Was die Messgenauigkeit betrifft, so sind wir mit dem System im Moment an der Grenze. Sicher wären die Systeme in der Lage, höhere Genauigkeiten zu liefern, jedoch ist der Bedienereinfluss zu groß, sodass ich denke, dass wir bei portablen Geräten an die Grenze des Machbaren gelangt sind. Zwar kann in gewissen Bereichen aufgrund der hohen Anforderungen der Messarm nicht mehr optimal eingesetzt werden, aber im Bereich der Vorrichtungsmessung kann er durch nichts ersetzt werden.

Praxistrainings beim Kooperationspartner Faro

Während der DGQ-Trainings beim Kooperationspartner Faro Europe GmbH in Korntal-Münchingen werden die Teilnehmer mobile Koordinatenmessgeräte erfolgreich anwenden, berichtet Jessica Vogts. Anschließend sei ihnen der Aufbau und die Funktionsweise von Gelenkarm-Koordinatenmessgeräten vertraut, sodass sie die Genauigkeit und Messunsicherheiten richtig einschätzen könnten. „Anhand von Praxisbeispielen in Kleinstgruppen erlernen unsere Seminarteilnehmer den korrekten Umgang mit Gelenkarm-Koordinatenmessgeräten. Das theoretisch erlernte Wissen setzen sie direkt an den Messmitteln um“, ergänzt die Produktmanagerin der DGQ Weiterbildung. Während der gesamten drei Tage werden die Teilnehmer von zwei DGQ-Trainern betreut. Die nächsten Termine gehen vom 24. bis 26. Juni und vom 28. bis 30. Oktober 2013.

Weitere Information gibt: Jessica Vogts
DGQ-Produktmanagerin
T 069 95424-182
jc@dgq.de

Unternehmensinformation

DGQ Deutsche Gesellschaft für Qualität

August-Schanz-Str. 21a
DE 60433 Frankfurt
Tel.: 069 95424-0
Fax: 069 95424-133

Internet:www.dgq.de
E-Mail: info <AT> dgq.de



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